Perry Rhodan 2946: Notruf aus der Leere - Perry Rhodan-Zyklus 'Genesis'

von: Susan Schwartz

Perry Rhodan digital, 2018

ISBN: 9783845350462 , 64 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 1,99 EUR

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Perry Rhodan 2946: Notruf aus der Leere - Perry Rhodan-Zyklus 'Genesis'


 

5.

Anflug

 

»Aber ... du bist einzigartig«, stotterte Holonder.

»So dachten wir. Ich kann nicht erklären ...«

»Wie bitte? Du kannst etwas nicht erklären?«, unterbrach Gucky. »Das wird ja immer seltsamer!«

»Ich empfinde wie du«, gestand die Semitronik. »Ich kann mich nur auf Annahmen berufen, nicht auf zuverlässige Berechnungen oder selbst Wahrscheinlichkeiten. Das ist in höchstem Maße ... irritierend.«

»Erzähl uns genau, was geschehen ist«, forderte Rhodan auf.

»Ich habe eine Berührung wahrgenommen, die ich nicht näher definieren kann. Sie war mir so vertraut und ähnlich, dass es sich nur um eine Schwester handeln kann. Ich finde keine andere Erklärung.«

»Also war es angenehm?«

»Ja. Keine Gefahr.«

Holonder rieb sich die Glatze. »Also doch ein Schiff? Mit einer ... anderen Semitronik?«

»Meine Überlegungen lassen nichts anderes zu.«

»Aber warum ist das Schiff auf dem Planeten? Hatte es eine Havarie? Konntest du Kontakt aufnehmen?«

»Das habe ich versucht. Doch es blieb bei dieser kurzen Berührung. So etwas kann nicht gefälscht sein!«

»Und doch wird es so sein«, machte Sichu ihre Meinung deutlich.

Rhodan überraschte das nicht. Was solche Dinge betraf, war seine Frau sehr nüchtern und pragmatisch. Verspieltes ließ sie nur im Privaten zu. Dennoch war er nicht damit einverstanden.

»Das kann man so nicht sagen«, erwiderte er. »Wir können weder das eine noch das andere ausschließen.« Er blickte in die Runde. »Meinungen?«

»Meinung wozu? Ob wir da hingehen sollen? Du hast dich längst entschieden«, meckerte Gucky.

»Trotzdem will ich eure Meinung hören«, versetzte Rhodan. »Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Warnung des Gemen, bevor wir abgeflogen sind? Vom Spross TÄLLER?«

»Ja«, piepste Gucky. »Ich erinnere mich vor allem daran, dass er beinahe unser wunderbares Schiff zum Platzen gebracht hätte!«

»Und wenn er die Warnung nicht erfunden hat, um Täller an Bord zu bekommen? Sondern wir jetzt die erste Auswirkung mitbekommen? Ich finde nicht, dass wir jede Warnung in den Wind schlagen sollten, nur weil wir sie für unwahrscheinlich halten.« Rhodan trommelte mit dem Finger auf den Tisch. »Das sollte bei unseren Überlegungen unbedingt miteinbezogen werden!«

Er sah Holonder an. »Was sagt der Kommandant?«

»Der Kommandant spricht sich dagegen aus«, antwortete Holonder. »Das riecht verdammt nach einer Falle. Von wem und wozu – keine Ahnung. Aber wir sollten uns fernhalten. Einfach weiterfliegen. Dass uns daheim nichts Gutes erwartet, wissen wir längst. Aber gewiss kein Weltenbrand.«

Als Nächster war Gucky an der Reihe. »Ich spreche mich ebenfalls dagegen aus und sehe es so wie Cascard. Die RAS TSCHUBAI darf nicht gefährdet werden, nur weil wir einer vagen Vermutung nachgehen. Gemen hin oder her. Diese Typen kennen wir doch gar nicht und wissen nicht, inwieweit wir ihnen trauen können. Die haben uns belauscht und von dir ein Profil erstellt. Die wissen von deiner Gewissenhaftigkeit und Fürsorge und dass du der Obermotz bist. Dieser Proto-Prahl hat dich manipuliert, und jetzt tut es derjenige, der den Funkspruch abgeschickt hat. Vielleicht ist das sogar ein und derselbe?«

»Proto-Bhal.«

»Mir doch egaaal.«

Auch Dorksteiger entschied dagegen. »Perry, ich glaube, dass du wirklich zu sehr davon beeinflusst bist, nur weil von dem Weltenbrand die Rede ist. Die Aussage des Gemen hat dich schon zu sehr besorgt gemacht. Und nun kommt tatsächlich eine weitere Warnung daher. Wäre dieses Stichwort nicht gefallen, würdest du die Dinge anders sehen, dessen bin ich sicher. Ich weiß nicht, wie dieser Trick funktioniert, aber jemand legt es darauf an, genau dich anzulocken. Deshalb rate ich: Wir sollten ohne Verzögerung nach Hause fliegen und dort nach dem Rechten sehen. Hier verzetteln wir uns nur.«

»ANANSI?«

»Du willst meine Meinung hören?«

Rhodan nickte. »Es betrifft schließlich auch dich.«

»Ich möchte nach meiner Schwester suchen.«

Lua und Vogel antworteten, ohne zu zögern. »Für ANANSI ist es wichtig. Als Emotionauten, die – genau wie sie – ein Teil des Schiffes sind, können wir nicht anders als zustimmen«, begründete Lua für beide die Zustimmung. »Wir kennen ANANSI fast so gut wie ihre Betreuer. Es ist für sie sehr wichtig, und wir werden sie unterstützen.«

»Na wunderbar, drei zu drei, und mit Perrys Stimme schlagen wir alle Logik in den Wind und fliegen doch dorthin«, stellte Gucky fest.

»Darf ich noch meine Gründe darlegen?«, meinte Rhodan und fuhr gleich fort: »Das war rhetorisch, Gucky. – Ich stimme euch zu, dass es nach einer Falle aussieht. Aber es könnte eben auch echt sein. Wenn es wirklich der Weltenbrand ist, darf ich nichts unversucht lassen, dagegenzusteuern. Ja, es ist mein Trauma, wenn ihr so wollt. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr für den Untergang einer ganzen Galaxis verantwortlich gemacht würdet, der noch nicht einmal stattgefunden hat? Wenn ihr nicht alle ein ähnliches Verantwortungsbewusstsein hättet, würden wir nicht hier zusammen an einem Tisch sitzen – heute und im Leerraum.«

Er hielt kurz inne. »Gucky«, sagte er dann langsam. »Du kennst mich am längsten. Hätte ich früher jemals anders entschieden – ohne das Damoklesschwert des Weltenbrands? Oder, wie ihr es so schön nennt, mein Trauma?«

»Nein«, gab der Ilt zu. »Wenn auch nur ein Prozent Wahrscheinlichkeit bestand, dass der Ruf echt war, wärst du ihm gefolgt. Einfach um dich zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Und wenn es eine Falle ist, gehst du davon aus, wieder herauszukommen – weil du unerschütterlich daran glaubst. Du nimmst das Risiko auf dich, denn du musst dich überzeugen. Weil die Ungewissheit dich niemals in Ruhe lassen würde, der Zweifel, einen Fehler begangen und jemanden im Stich gelassen zu haben. Selbst wenn bei uns zu Hause alles in Ordnung ist, die Frage würde an dir nagen, wer dir diesen Notruf geschickt hat und warum.«

Rhodan lächelte. »Sehr schön erläutert, Kleiner. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. – Bis auf eine kleine Anmerkung: Unsere jahrtausendelange Erfahrung hat uns gelehrt, dass stets mit Überraschungen zu rechnen ist.«

»Kurzgefasst: So bist du eben.« Gucky seufzte. »Ich hab's versucht. Nur damit ich hinterher sagen kann: Ich hab's dir ja gesagt. Ich halte es immer noch für eine blöde Idee, aber ich bin dabei, wie immer.« Er warf einen Blick Richtung Decke. »Eines stimmt allerdings. Nicht zuletzt deinetwegen sollte das Rätsel geklärt werden, ANANSI.«

»Das ist eine interessante Perspektive«, stellte die Semitronik fest. »Bisher ging es nie um mich.«

Der Kommandant zog eine kritische Miene. »Sollten wir nicht den Bordrat dazuholen, um abzustimmen?«

»Nein«, lehnte Rhodan ab. »Du bleibst mit der RAS TSCHUBAI schön in sicherer Entfernung. Wir gehen mit einem Beiboot da runter. Sobald sich etwas ergibt, das dein Schiff gefährdet, machst du dich vom Acker, Cascard. Das ist ein Befehl.«

»Bestätige den Befehl. Wir werden zurückkehren, sobald die Luft wieder rein ist und euch aufnehmen. Oder Hilfe schicken – wie auch immer.«

»Alles wie gehabt«, schloss Gucky.

 

*

 

Perry Rhodan ließ die Besatzung des MARS-Kreuzers RT-M4, Eigenname TATJANA MICHALOWNA, aus der Suspension holen. Kommandantin war die vierzigjährige Terranerin Anna Tayu, die wegen ihres zierlichen Äußeren schon oft unterschätzt worden war. Pilot war der fünfzigjährige Epsaler Feodor Valardy, offenkundig ein Gourmand, der ständig etwas zu essen aus den prall gefüllten Taschen seines Raumanzugs zutage förderte, um es sofort wieder in seinem Mund verschwinden zu lassen.

Die beiden waren verantwortlich für das Vierte Raumlandebetaillon, allesamt erfahrene Raumfahrer. Drei Mitglieder fielen wegen Schwäche und anhaltender Desorientierung aus, wobei Chefmediker Matho Thoveno sich zuversichtlich zeigte, sie innerhalb eines weiteren Tages vollkommen wiederherstellen zu können. Für den Einsatz wären sie allerdings nicht fristgerecht diensttauglich.

Als Rhodans Team gingen Gucky und Sichu Dorksteiger mit, ebenso der Metabolist Donn Yaradua. Lua Virtanen und Vogel Ziellos schlossen sich als ausgebildete Xenologen an; wegen ANANSI hatten sie von sich aus darum gebeten.

Und genau wegen ANANSIS Vermutung einer »Schwester« auf dem Planeten wurden auch die von Neu-Atlantis stammende Arkonidin Lerva Onteren und der Terraner Josè Huenchulan aus der Suspension geholt. Als Betreuer der Semitronik kamen sie für diese gesonderte Mission am besten infrage. Der erste Betreuer ANANSIS, der Kamashite Shalva Galaktion Shengelaia, wurde nicht dazugeholt, da er bereits über 250 Jahre alt war und seinen Aufgabenbereich ausschließlich in ANANSIS Betreuung vor Ort hatte.

Als Start wurde der nächste Morgen vorgesehen, um ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben, die Vorbereitungen zu treffen.

 

*

 

Der Abflug fand wie geplant statt. Der Kreuzer näherte sich im Schleichkurs dem System und sammelte die ersten Daten.

Nur ein einziger Planet umkreiste eine weiße Zwergsonne. Ursprünglich war er der fünfte Planet gewesen, doch die inneren vier Planeten waren einst verbrannt, als die Sonne sich zum Roten Riesen aufgebläht hatte. Nun, Milliarden Jahre später, hatte die Sonne ihre äußere Hülle abgestoßen, und zurückgeblieben waren nur ein Staubring und am Rand der habitablen Zone ein einziger...